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  • Dominik Täuber

Meine Erfahrung mit der Sony a7 III und E-Mount-Objektiven.

Updated: Oct 17

Erfahrungsbericht / Test: Sony Alpha.


Seit über einem Jahr fotografiere ich nun mit zwei Sony Alpha 7 III Gehäusen und diversen E-Mount-Objektiven.

Zuvor habe ich jahrelang mit der Spiegelreflex 5D IV von Canon fotografiert und bin an sich sehr zufrieden gewesen. Doch die Vorteile von spiegellosen Kameras, insbesondere die nahezu freie Autofokus-Feld-Wahl über fast den gesamten Sensor haben mich sehr gereizt. Nach einigen persönlichen Tests der aktuellen Systeme, inklusive Nikon Z und Canon R, habe ich mich für Sony entschieden, da bereits alle meine benötigten Objektive und Brennweiten bei Sony vorhanden gewesen sind und der Autofokus bereits in einer Mittelklasse-Kamera wie der a7 III hervorragend ist und auch professionellen Ansprüchen gerecht wird.


Fotoeinsatz für den Swiss Snowboard Weltcup in Scuol. Sony a7 III, FE 70–200 mm F2,8 GM OSS. ISO 125, 200mm, f / 2.8, 1/8000 sec.


Im Nachfolgenden möchte ich meine Erfahrungen wiedergeben, die natürlich keinem Test unter "Laborbedingungen" entsprechen.


Ausrüstung


Im Einsatz (Reportage, Hochzeit, Natur/Landschaft, Menschen) als nebenberuflicher Fotograf stehen nun:

- 2 Sony a7 III

- Sony FE 24–70 mm F2.8 GM

- FE 70–200 mm F2,8 GM OSS

- Sigma 35mm F1,2 DG DN | Art

- Sony FE 35 mm F1,8

- Sony FE 12-24mm F4 G

- Sony FE 85mm F1.8

- Licht von Profoto (B10) und Aufsteckblitz von Sony

Gehäuse, Haptik & elektronischer Sucher

Die a7 III ist absolut hochwertig verarbeitet und fühlt sich entsprechend gut an. Ich nehme eher wenig Rücksicht auf meine Ausrüstung und führe Fotoeinsätze auch bei schwieriger Witterung wie Regen und Schneefall aus. Probleme hat es bisher noch keine gegeben. Die Bedienräder und -knöpfe lassen sich gut bedienen, auch im Winter mit klammen Händen.

Von der Canon EOS 5D kommend, ist die Alpha 7 überraschend klein und leicht. Dies hat Vor- und Nachteile. Bei grösseren und schwereren Objektiven, wie dem 70-200/2.8 oder dem 35/1.2 von Sigma wünscht man sich bei längeren Einsätzen ein etwas grösseres Kameragehäuse, dass eine ausgewogenere Balance ermöglicht. Der Einsatz des optionalen Batteriegriffs macht dann Sinn.

Bei kleineren Objektiven hingegen trumpft das Sony Alpha System so richtig auf. Bei 15-stündigen Hochzeitsreportagen ist die Kombination aus zwei Gehäusen mit dem 35/1.8 und 85/1.8 einfach ein Traum. Auch am Ende eines langen Tages habe ich keine Ermüdungserscheinungen. Dank der kompakten Masse bin ich zudem auch eher «unauffällig» unterwegs und kann mich leichter in der Hochzeitsgesellschaft integrieren und somit authentische Fotografien anfertigen.



Hochzeitsreportage in Scuol, Engadin.

Sony a7 III, FE 85mm F1.8. ISO 1600, 85mm, f/1.8, 1/400 sec.

Grösster Unterschied zu Spiegelreflex, klar, ist der elektronische Sucher. So sehr ich das echte Bild durch den Spiegel genossen habe, so wenig habe ich Mühe nun durch einen elektronischen Sucher zu sehen. Ein Vorteil ist, dass man die aktuelle Belichtungseinstellung gleich im Sucher sieht, bevor man das Bild überhaupt aufnimmt.

Nachteil bei der a7 III ist vielleicht die eher geringe Auflösung des Suchers. Ich habe bisher dadurch noch keine Einschränkungen gehabt aber ein etwas höher aufgelöstes Sucherbild wäre für das Nachfolgemodel wünschenswert.

Bedienung

Mehrere Bedienungsknöpfe der Alpha 7 lassen sich frei konfigurieren und die wichtigsten Menüeinstellungen, des durchaus umfangreichen und anfangs fordernden Menüs, können als Favorit für den schnellen Zugriff abgespeichert werden. Das ist äusserst praktisch. Ohne diese Funktion wäre es vielleicht etwas mühsam sich immer wieder durch die zahlreichen Menüpunkte zu kämpfen. Ein KO-Kriterium, wie manchmal von eingefleischten Fans anderer Kamerasysteme zu lesen, ist es absolut nicht. Meine gespeicherten Favoriten sind unter anderem der «Silent-Modus» (Geräuschlose Auslösung, ein Segen bei klassischen Konzerten), die «Wireless-Flash»-Aktivierung (für meinen Profoto B10) und das «Live-View-Display» (bei Studiofotografie mit Blitzlicht oder ähnlichen Bedingungen sieht man sonst allenfalls im Sucher bei wenig Umgebungslicht nichts mehr, wenn die Belichtung entsprechend eingestellt und das Live-Bild angezeigt wird). Wie auch bei der 5D hat die Alpha einen Steuerungsknopf, wo man das AF-Feld frei verschieben kann.

Ansonsten bin ich mit der Umstellung auf das spiegellose System sofort zurechtgekommen und im Grunde funktioniert die Sony Alpha auch nicht viel anders als eine digitale Spiegelreflexkamera. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit konnte ich die Kamera frei bedienen, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen.

Positiv zu erwähnen ist auch die lange Batterielaufzeit für «sorgenfreies» Fotografieren.


Autofokus

Am meisten begeistert hat mich bei der Sony Alpha 7 III der bereits hervorragende Autofokus, den ich von einem «Mittelklasse-Model» so nicht unbedingt erwartet habe. Ich fotografiere gerne mit Offenblende bei lichtstarken Objektiven. Bei Canon zählten das 35/1.4 und 135/2 zu meinen Favoriten. Trotz des starken Autofokus der 5D IV gab es gerade bei Offenblende immer wieder Ausschuss, vor allem bei schnellen Schnappschüssen.

Die a7 III «nagelt» den Autofokus praktisch zuverlässig ein und noch nie habe ich so wenig Fehlfokusierungen gehabt. Bei manchen Fotoeinsätzen liegt der Trefferquote bei nahezu 100%. Nur bei sehr wenig Licht, wie Räumen mit Kerzenschein (Hochzeitsreportage), braucht die Alpha etwas mehr Zeit zum Fokussieren.

Sehr nützlich ist der Augen/Eye-AF, der äusserst zuverlässig funktioniert. So kann ich mich voll auf die Bildkompensation konzentrieren und das automatisch erfasste Auge ist immer gestochen scharf.

Ein sehr grosser Vorteil ist zudem die Möglichkeit der geräuschlosen Aufnahme. Bei der Dokumentation von klassischen Konzerten ist dies ein wahrer Segen! Es gibt nichts störenderes als das Geräusch des mechanischen Verschlusses, am besten, wenn es gerade ganz still im Raum ist….

Dokumentation des StradivariFEST-Konzerts im Schloss Tarasp.

Sony a7 III, FE 70–200 mm F2,8 GM OSS. ISO 6400, 200mm, f/2.8, 1/100 sec.

Bildqualität

Die Bildqualität des 24 Megapixel Sensors ist fantastisch. Man hat in der Nachbearbeitung (ich benutze Adobe Lightroom CC) unwahrscheinlich viel Spielraum, wenn es zum Beispiel um das Abdunkeln von Lichtern oder das Aufhellen von Schatten geht, ohne dabei ungewünschte Effekte wie Bildrauschen zu generieren. Bilder mit einer Lichtempfindlichkeit bis ISO 6400 sind ohne tiefgehende Nachbearbeitung problemlos brauchbar. Werte darüber benötige ich so gut wie nicht. Beeindruckend, wie sich die Technik entwickelt hat!

Da ich kein Messlabor habe kann ich zum Thema Sensor nicht mehr wiedergeben. Für das Nachfolgemodel, das es wahrscheinlich irgendwann geben wird, wäre eine etwas höhere Auflösung wünschenswert, um etwas mehr Reserven beim Croppen zu erhalten, was bei Schnappschüssen in der Reportagefotografie hilfreich sein kann oder um sehr grosse Prints zu realisieren.



Fotoeinsatz für die Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG.

Sony a7 III, Sigma 35mm F1,2 DG DN | Art. ISO 100, 35mm, f/1.2, 1/2500 sec, Profoto B10.

Objektive

Die von mir erworbenen Objektive sind alle von höchster Qualität, besonders die GM- und G-Objektive stehen Canon in keiner Art und Weise hinterher, was Bildqualität und Verarbeitung angeht. Selbst die etwas «günstigeren» Objektive, wie das 35/1.8 sind technisch sehr gut und bereits bei Offenblende sehr scharf. Ich nutze diese ebenfalls für Fotoaufträge.

Insgesamt lässt sich sagen, dass sich der Umstieg auf das Sony Alpha System mit dem E-Mount absolut ausgezahlt hat. Eine Investition in die «professionelleren» Gehäuse, wie die a9 II oder a7R IV macht für meine Bedürfnisse vorerst keinen Sinn. Zudem ist beim wahrscheinlichen Nachfolgemodel der a7 III wieder mit Optimierungen zu rechnen.

Zusammenfassung

Positiv

  • Hervorragende Bildqualität des 24-Megapixel-Sensors mit viel Reserven bei der Bildbearbeitung im RAW-Format

  • Zuverlässiger, treffsicherer und generell schneller Autofokus mit Eye-AF

  • Hochwertige Verarbeitung des Gehäuses

  • Sehr guter «Silent-Modus» für geräuschlose Aufnahmen

  • Sehr hochwertige Objektive von Sony und Anbietern wie Sigma, die den «L-Objektiven» von Canon in nichts nachstehen

  • Lange Batterielaufzeit

Verbesserungswürdig

  • Der elektronische Sucher darf gerne eine etwas höhere Auflösung bekommen

  • Das Menü könnte besser strukturiert sein. Bei der kürzlich erschienenen Sony A7s III kommt bereits eine überarbeitete Version zum Einsatz

  • Bei wenig Licht könnte der Autofokus noch schneller fokussieren

  • Etwas mehr Megapixel für Reserven beim Croppen, ohne dabei eine ressourcenbelastende Auflösung einer a7R IV mit 62 Megapixeln zu erhalten


Diskussionswürdig

  • Etwas grösseres Gehäuse. Wie beschrieben, zahlt sich das kompakte und leichte Gehäuse bei kleineren Objektiven voll aus. Vielleicht würde eine geringfügige Vergrösserung aber zum besseren Handling mit grösseren Objektiven beitragen.



Grevasalvas im Engadin.

Sony a7 III, FE 12-24mm F4 G. ISO 64, 13mm, f/14, 1/100 sec.



Weiterführende Links


Unter den nachfolgenden Links finden Sie weitere Informationen zu meiner Kameraausrüstung. Ich werde von keinem dieser Hersteller gesponsert ;-)


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